Christoph Berens (Landesinstitut für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung- Arbeitsbereich Demokratiepädagogik) am 04.11.2020:
Aufstand gegen den „Bildungsabbau“ war das Motto von rund 2.000 Schülerinnen und Schülern aus 70 Schulen, die im Dezember 1998 eine siebentägige Dauerdemonstration gegen die Sparpolitik des Senats durchgeführt haben. Anlass waren die Haushaltsberatungen für das Jahr 1999. Die Schülerinnen und Schüler wollten mit ihrer Demonstration auf die mangelnde finanzielle Situation der Schulen in Hamburg aufmerksam machen. Sie wollten „die längste Demo der Welt“ auf die Beine stellen und gegen die Sparbeschlüsse des Senats protestieren. Die Lehrergewerkschaft GEW und Elternvertreterinnen und -vertreter unterstützten die Aktion. Auf einem sechs Quadratmeter großen Plakat wurden ihre „Weihnachtswünsche“ formuliert: „eine neue Schulsenatorin“, „kleinere Klassen“, „jüngere Lehrer“ und „Internet-Anschlüsse“. Die Schülerinnen und Schüler fühlten sich von der Politik im Stich gelassen. Nach der Demonstration mit rund 80.000 Teilnehmenden im Mai sei Bildung zwar in aller Munde gewesen, doch geändert habe sich nichts. „Da sich der Senat von der Massendemonstration nicht beeindrucken ließ, setzen wir jetzt auf Beharrlichkeit“, so Schüler- Sprecher Steven Galling. Der Nonstop-Protest soll Aufmerksamkeit erwecken. „Wir hoffen, dass die im Rathaus merken, dass wir nicht alles mit uns machen lassen“, sagte der 22-Jährige. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich nicht mit allen Forderungen durchsetzen. Doch zeigte sich die Schulbehörde gesprächsbereit und sagte zu, dass die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit bekommen, sich fünfmal in sogenannten Schülerforen zu vernetzen und sich über bildungspolitische Themen auszutauschen. Die Schüler:innenkammer veranstaltet seit 1999 gemeinsam mit dem ebenfalls neugegründeten Projekt „Schüler-Schule-Mitbestimmung“, dem Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung in Schulen (Li) und dem ZSJ regelmäßig Schüler*innenforen, bei denen mit 100 bis 150 Hamburger Schülerinnen und Schülern kontrovers schulpolitische Themen diskutiert und Verbesserungsvorschläge formuliert werden. Diese werden dann den politisch Verantwortlichen zugeleitet und Stellungnahmen angefordert.
Die Schüler*innenforen und das Projekt „Schüler-Schule-Mitbestimmung“ sind ein Ergebnis eines 168-Stunden-Dauerprotestes im Jahr 1998, mit welchem die Schüler:innenkammer ins Guinness-Buch der Rekorde gelangte.